Zeigen sich am Kopf eines Fisches oder entlang der Seitenlinie Vertiefungen, Farbverlust und Erosionen, spricht man oft von der Lochkrankheit. Für HITH bei Süßwasser-Buntbarschen und HLLE bei Meerwasserfischen darf man nicht von vornherein dieselbe Ursache annehmen; die vorliegenden Daten reichen nicht aus, um alle Fälle mit einer einzigen Ursache zu erklären.[3][5] Auch eine Studie am Getüpfelten Gabelwels kommt zu dem Schluss, dass sich das bei verschiedenen Fischarten beschriebene HLLE in Pathologie und möglichen Ursachen stark unterscheidet und eher ein klinisches Erscheinungsbild als eine einzelne Krankheit ist.[1]
Notieren Sie zuerst Fischart, Lage und Entwicklung der Veränderungen, Körperzustand und Wasserwerte. Bei Abmagerung, Futterverweigerung, rasch fortschreitenden Geschwüren oder mehreren erkrankten Fischen sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt untersuchen. Schließen Sie nicht allein aus den Löchern auf Darmflagellaten, und betrachten Sie einen Futterwechsel nicht einfach als Behandlung.
Lochkrankheit und normale Sinnesporen sind nicht dasselbe

Kopf und Seitenlinie eines Fisches tragen von Natur aus ein Sinnessystem. Die Veränderungen zeigen sich oft als Gewebeschäden rund um die Poren, als Farbverlust, Vergrößerung oder Zusammenfließen; der Farbverlust wurde in der Studie am Getüpfelten Gabelwels beschrieben[1], Vergrößerung und Zusammenfließen in der Studie an Doktorfischen im Meerwasser[4]. Vergleichen Sie mit dem normalen Aussehen, früheren Fotos und Artgenossen und lassen Sie den Befund dann fachlich bestätigen.
Verteilung und Pathologie können sich je nach Fischart unterscheiden. „Löcher im Kopf“ beschreibt nur das Aussehen; Erosion, Verletzung, Infektion und andere Hautveränderungen müssen trotzdem unterschieden werden.
Wie sich die Belege für die einzelnen Hypothesen vergleichen lassen
| Hypothese | Was sich derzeit sagen lässt | Wichtigste Einschränkung |
|---|---|---|
| Aktivkohle | In kontrollierten Versuchen mit bestimmten Doktorfischen im Meerwasser und bestimmten Aktivkohle-Anordnungen ließen sich Veränderungen auslösen | Fischarten und Anwendungen sind begrenzt; nicht auf jede Lochkrankheit übertragbar. |
| Flagellaten | Aus Veränderungen und inneren Organen mancher erkrankter Buntbarsche wurde Spironucleus isoliert | Gemeinsames Auftreten beweist keinen Ursachenzusammenhang; auch gesunde Fische können die Parasiten tragen. |
| Ungleichgewicht von Calcium und Phosphor | Ein kontrollierter Versuch mit Diskus löste innerhalb von sechzehn Wochen keine Lochkrankheit aus | Ein negatives Ergebnis mit kleiner Stichprobe schließt nicht alle Ernährungsprobleme aus. |
| Vitamine und Wasserqualität | In der Einleitung der Fachliteratur vorgeschlagene Hypothese (siehe Einleitung von [5]) | Die zitierten Studien haben Vitamine nicht direkt untersucht, beim Wasser ging es nur um die Wasserhärte in [5]; ein allgemeiner Ursachenzusammenhang lässt sich noch nicht ableiten. |
Die Tabelle ordnet die Belege nach dem Studiendesign der folgenden Arbeiten ein und ist keine einheitliche Einstufung der Krankheit: Zeile Aktivkohle siehe [3][4], Zeile Flagellaten siehe [2][5], Zeile Calcium-Phosphor-Ungleichgewicht siehe [5], die Hypothese in der Zeile Vitamine und Wasserqualität siehe Einleitung von [5].
Aktivkohle: experimentell gestützt, aber mit begrenzter Reichweite
Die Studie von Hemdal und Odum verwendete drei Meerwassersysteme mit nur einem System pro Behandlung; in der Gruppe mit Braunkohle-Aktivkohle entwickelten alle zwölf Ocean Surgeons (Acanthurus bahianus, Familie der Doktorfische) deutliche Veränderungen, in der Gruppe mit zylindrischer Kohle mikroskopische Veränderungen, in der Kontrollgruppe ohne Kohle keine.[3]
In dieser Studie befanden sich alle Fische einer Behandlung im selben System; die zwölf Fische dürfen daher nicht als zwölf unabhängige Wiederholungen gezählt werden. Behandlungseffekt und Unterschiede zwischen den Systemen können sich vermischen – eine Einschränkung, die bei der Bewertung der Aussagekraft bestehen bleibt.
Ein weiteres Experiment von Stamper et al. mit drei Kontroll- und drei Aktivkohlesystemen filterte Meerwasser im Vollstrom über extrudierte Aktivkohle aus Kokosnussschalen und löste bei derselben Fischart Veränderungen aus; nach dem Absetzen bildeten sich die Veränderungen im Durchschnitt nach etwa neunundvierzig Tagen zurück.[4] Beide Arbeiten zusammen stützen ein Risiko bei bestimmten Fischarten und Anordnungen, klären aber nicht den gesamten Krankheitsmechanismus.
Bei empfindlichen Meerwasserfischen lohnt es sich, Art, Menge, Durchfluss und Einsatzweise der Aktivkohle zu überprüfen; für Süßwasserfische wie Diskus und Skalar ist damit aber kein gleicher Mechanismus nachgewiesen. Auch die Dauer der Besserung lässt sich nicht einfach mit neunundvierzig Tagen ansetzen.
Flagellaten vorhanden heißt nicht, dass sie die Löcher verursachen
Paull und Matthews isolierten Spironucleus vortens aus Fällen der Lochkrankheit und schlugen ihn als mögliche Ursache vor; es handelte sich jedoch um eine Fallbeobachtung, und ein ursächlicher Nachweis, bei dem eine experimentelle Infektion alle Veränderungen reproduziert, steht aus. Als Kontrolle diente zudem nur ein einziger Skalar ohne Vorgeschichte der Lochkrankheit.[2]
In anderen Studien zur Diskushaltung hatten auch Fische mit nachgewiesenen Darmflagellaten keine Lochkrankheit.[5] Deshalb sollten reines Trägertum im Darm, Darmerkrankung und systemische Probleme unterschieden werden; weder auffälliger Kot noch die Löcher selbst sind eine Grundlage, direkt Medikamente zu geben.
Was negative Ergebnisse aus Ernährungsstudien bedeuten
Ein Diskus-Experiment aus dem Jahr 2019 kombinierte verschiedene Futtersorten und Wasserhärten, mit vier Gruppen zu je fünf Fischen über sechzehn Wochen, und löste keine Lochkrankheit aus. Das zeigt, dass sich die Krankheit unter den Bedingungen dieser Studie nicht reproduzieren ließ – es beweist weder, dass Ernährungsmängel generell keine Rolle spielen, noch, dass ein bestimmtes Futter der Lochkrankheit vorbeugt.[5]
Vollwertige Ernährung, angemessene Fütterung und eine gute Umgebung sind die Grundlage der Fischgesundheit; dieser allgemeine Grundsatz liegt auf einer anderen Ebene als die Aussage „ein Produkt heilt die Lochkrankheit“. Die genannten Studien reichen nicht aus, um allgemeine Aussagen zur Vorbeugung oder Behandlung durch ein bestimmtes Futter oder einen Zusatz zu stützen.
Was Sie jetzt tun können
Messen Sie zuerst die Wasserwerte, prüfen Sie auf Überbesatz und anhaltenden Stress, notieren Sie die tatsächlich verwendeten Futtersorten, deren Lagerung und den Appetit, und machen Sie Fotos der Veränderungen. Wird bei empfindlichen Meerwasserfischen Aktivkohle eingesetzt, notieren Sie Produktart, Menge und Strömungsanordnung für die tierärztliche Beurteilung.[3][4][6]
Mit der Gestaltung der Umgebung lassen sich beeinflussbare Faktoren verbessern; schreiten die Veränderungen aber rasch fort oder verschlechtert sich der Körperzustand, sollte möglichst bald untersucht werden – statt abwechselnd Mittel gegen Parasiten, Bakterien und Nahrungsergänzungen auszuprobieren und so die Grundlage für die Beurteilung zu verlieren.
Häufige Fragen
Sollte in allen Aquarien auf Aktivkohle verzichtet werden?
Aus Experimenten an einer einzigen Fischart lassen sich keine Regeln für alle Aquarien ableiten. Beurteilen Sie nach Fischart, Zweck und konkreter Anwendung.[3][4]
Ist die Ursache der Lochkrankheit geklärt, wenn Flagellaten nachgewiesen werden?
Nicht unbedingt. Entnahmestelle, klinisches Bild und weitere Untersuchungen müssen zusammen betrachtet werden, um Trägertum von Krankheitsursache zu unterscheiden.[2][5]
Wird der Fisch mit Vitaminen oder einem anderen Futter sicher wieder gesund?
Eine allgemeine Garantie, die durch die genannten Studien gestützt wäre, gibt es nicht. Wird ein Ernährungsproblem bestätigt, sollte es angemessen korrigiert werden – andere Ursachen müssen aber ebenfalls geprüft werden.
Sind Medikamente nötig, verwenden Sie rechtmäßig zugelassene, geeignete Tierarzneimittel und halten Sie sich an das Etikett und die tierärztlichen Anweisungen.
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Quellen
- Corrales J, Ullal AJ, Noga EJ. Lateral line depigmentation (LLD) in channel catfish, Ictalurus punctatus (Rafinesque). Journal of Fish Diseases 32, 705–712, 2009. doi:10.1111/j.1365-2761.2009.01069.x.
- Paull GC, Matthews RA. Spironucleus vortens, a possible cause of hole-in-the-head disease in cichlids. Diseases of Aquatic Organisms 45, 197–202, 2001. doi:10.3354/dao045197.
- Hemdal J, Odum RA. The Role of Activated Lignite Carbon in the Development of Head and Lateral Line Erosion in the Ocean Surgeon. North American Journal of Aquaculture 73, 489–492, 2011. doi:10.1080/15222055.2011.635781.
- Stamper MA et al. Effects of Full-Stream Carbon Filtration on the Development of Head and Lateral Line Erosion Syndrome (HLLES) in Ocean Surgeon. Journal of Aquatic Animal Health 23, 111–116, 2011. doi:10.1080/08997659.2011.608608.
- Amesberger-Freitag A et al. Hole-in-the-head disease in discus fish, Symphysodon (Heckel, 1840): Is it a consequence of a dietary Ca/P imbalance? Journal of Fish Diseases 42, 1133–1142, 2019. doi:10.1111/jfd.13023.
- Francis-Floyd R, Stilwell NK, Yanong RPE. Introduction to Fish Health Management. UF/IFAS, CIR921/FA004, 1990 (überarbeitet 2025).

